Forschungsprofil des Philosophischen Seminar

Im Zeitalter des Anthropozäns gewinnt die alte Frage des Menschen nach der Selbsterkenntnis neues Gewicht. Ein  „Anthropozän“ werden wir nur verstehen und angemessen in ihm leben, wenn wir unser Bild vom anthropos“, vom Menschen, bewusst bilden. Selbsterkenntnis steht damit in einer historischen Entwicklungsdimension. Außerdem ist sie ein geistiger Akt, der nur geschieht, wenn wir ihn tatsächlich vollführen. Schließlich ist sie ein Vollzug eines Wesens, das ganz und gar auch Teil von Natur und Welt ist. Das Profil des Philosophischen Seminar bildet so eine Philosophie des Menschen nach Geist, Seele und Leib in seinen Beziehungen: zur Geschichte, zur Geistigkeit und Transzendenz, zu sich selbst in seelischer Selbstbeobachtung und Selbstverstehen und zu seinen Mitmenschen sowie zur Natur und den Mitwesen.

Forschungsbereiche

Historische Schwerpunkte

Existenzphilosophie mit einem Schwerpunkt im Denken des Schweizer Existenzphilosophen Heinrich Barth. An der Heinrich Barth-Forschungsstelle werden die systematischen Schwerpunkte seiner Philosophie (insbesondere Existenzphilosophie, Erscheinungsphilosophie/Ästhetik, theoretische Philosophie) in historischer und systematischer Breite und Tiefe erforscht. Darüber hinaus greift die Forschungsstelle weitere Ansätze des Existenzdenkens im 20. Jahrhundert sowie Vorläufer desselben in ihren Arbeitsschwerpunkten auf und stellt Bezüge zur Philosophie Heinrich Barths her. Link zur Forschungsstelle: https://www.kueser-akademie.de/organisation/heinrich-barth-forschungsstelle/

Deutscher Idealismus mit einem Schwerpunkt auf Schelling, Franz von Baader sowie den philosophischen Ansätzen von Goethe, Schiller und Hölderlin.

Spätidealismus und Neukantianismus: Wissenschaft und Weltanschauung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum 1. Weltkrieg, u. a. mit einem Schwerpunkt auf dem Spätidealismus (u. a. I. P. V. Troxler, I. H. Fichte, C. G. Carus), dem metaphysischen Neukantianismus (G. Spicker, E. v. Hartmann, J. Volkelt, O. Liebmann) sowie dem Marburger Neukantianismus.

Renaissance und Hochmittelalter (Cusanus und Eckhart): Anthropologie, Intellektmystik, Anagogik, Ethik und Ästhetik bei Nikolaus von Kues, Meister Eckhart, in der Rheinischen Mystik, in der Devotio moderna, Mystik und Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

Systematische Schwerpunkte

Existenz und Transzendenz als Verhältnisbestimmung existenzieller, immanenter Vollzüge in ihrer Ausrichtung auf bzw. ihrer Begegnung mit Transzendenz.

Philosophie der Mystik: Historische wie gegenwärtige Ansätze mystischen Denkens als eines seelisch-geistigen Entwicklungswegs des Menschen; systematische Reflexion von Möglichkeiten, Grenzen und historischen Wandlungen.

Naturphilosophie als Frage nach einer kritischen Ergänzung naturwissenschaftlicher Ansätze im Sinne nicht nur einer natura naturata sondern einer natura naturans sowie einer geistigen Natur im Anschluss an historische Positionen z.B. bei Cusanus, im Dt. Idealismus, sowie im 20. Jahrhundert etwa bei Georg Picht, Günther Anders und Heinrich Barth.

Didaktik der Philosophie im Sinne eines Erprobens neuer Formate, die Studierenden wie Lehrenden einen erfahrbaren Zugang zur Philosophie eröffnen.

Aktuelle Forschungsprojekte

Forschungsschwerpunkt: Natur, Mensch, Gesellschaft

DFG-Kolleg-Forschungsgruppe (FOR 2603) „Lyrik in Transition“ (Universität Trier), Sprecherin: Prof. Dr. Henrieke Stahl

Die leitende Frage des Projekts richtet sich auf ein Hauptmerkmal der Gegenwartslyrik: Transition, deren Formen und Funktionen untersucht werden. Transition betrifft in der Gegenwartslyrik insbesondere vier Formen von Grenzen und erlaubt daher die Bestimmung von folgenden Forschungsgebieten: die Grenzen von 1) Gattung(en), 2) Sprache(n), 3) Kultur(en) und 4) Gesellschaft(en).

Das „Philosophische Seminar“ steuert für dieses Projekt eine philosophische Expertise bei. Außerdem ist Harald Schwaetzer Mitherausgeber der im Rahmen des Projekts begründeten „Internationalen Zeitschrift für Kulturkomparatistik“. Weitere Informationen, Newsletter, Neuerscheinungen sind hier abrufbar.

Philosophie der Natur im Zeitalter des Anthropozän

Natur in der Lyrik und der Philosophie des Anthropozän; Tagung im Rahmen von „Lyrik in Transition“ (FOR 2603, Universität Trier); verantwortlich: Henrieke Stahl und Harald Schwaetzer, 25.-28.3. 2019, Publikation erfolgt in „Texte und Studien zur Europäischen Geistesgeschichte“; Natur und Geist: Publikation einer deutsch-italienischen und einer deutsch-japanischen Tagung als Heft 2 der Coincidentia 10 (2019). Hrsg. v. Wolfgang Christian Schneider und Harald Schwaetzer; Die Geburt der Naturphilosophie aus dem Geiste der Mystik – Forschungsworkshop (WS 2020/21) und Publikation in der „Internationalen Zeitschrift für Kulturkomparatistik“. Verantwortlich: Johanna Hueck und Harald Schwaetzer.

 

Forschungsschwerpunkt: Cusanus / Philosophie der Mystik und Spiritualität

„Teaching and Preaching with Patristic auctoritates – Meister Eckhart in France and Germany, past and present“ (DFG / ANR)

Geleitet wird das Projekt von der Meister Eckhart-Forschungsstelle des Max-Weber-Kollegs (Erfurt) und der équipe de recherches sur la mystique rhénane (Direktorin: Marie-Anne Vannier, der Universität Lorraine / Metz). Harald Schwaetzer vom Philosophischen Seminar übernimmt die Koordination der deutschen Forschungsgruppe. Das Projekt untersucht bis 2021 den inhaltlichen und methodischen Umgang mit der Patristik vor allem bei Meister Eckhart. Im Zentrum der Forschungen stehen dabei zugleich die Verfahren, wie Eckhart sich Texte aneignet.

Editionsprojekt des Liber epistolarum der Hildegard von Bingen, Leitung: Prof. Dr. Mechthild Dreyer. Kooperationspartner des Projekts sind die Mainzer Akademie der Wissenschaften, die St. Hildegard Akademie, Eibingen, und Landesbibliothek Darmstadt sowie das Philosophische Seminar. Das Ziel des Projektes, eine am aktuellen Forschungsstand orientierte Edition der Briefe Hildegards, in deren Zentrum der Liber epistolarum des sog. Riesenkodex (Wiesbaden) als „Ausgabe letzter Hand“ der Briefe Hildegards steht, und zwar als moderne digitale Edition mit Darstellung der Textgenese, um so auf der Grundlage der vorhandenen Handschriften die verschiedenen Schritte redaktionellen und kompositorischen Arbeitens nachvollziehbar zu machen.

ARIANE: Nikolaus von Kues – Denker der Großregion (MSH)
Verantwortlich: Harald Schwaetzer und Marie-Anne Vannier (Équipe de recherches sur la mystique rhénane der Universität Lorraine / Metz). Das Projekt untersucht in mehreren Tagungen und Tagungsbänden die Bedeutung des Nikolaus von Kues für die Großregion, und umgekehrt die Bedeutung der Großregion für das Denken des Cusanus.

Kunst, Technik, Kreativität in der Renaissance (Deutsche, italienische, japanische Forschungsförderung)
Verantwortlich: Gianluca Cuozzo (Turin), Claudia D‘Amico (Buenos Aires), Harald Schwaetzer und Kazuhiko Yamaki (Tokyo). Tagungen und Publikationen mit Schwerpunkt auf Leonardo da Vinci (Turin), Cusanus und Bruno (Buenos Aires) und Cusanus (Hildesheim / Bernkastel-Kues). Publikation in mehreren Bänden, u.a. in „Internationale Zeitschrift für Kulturkomparatistik“.

Zwischen Vergangenheit und Modernität: der Grenzbegriff im Denken des Nikolaus von Kues. DFG-geförderte Tagung in der Villa Vigoni.
Verantwortlich: Gianluca Cuozzo und Harald Schwaetzer

Nikolaus von Kues hat das Problem der Begrenzung aus einer Vielzahl von Gesichtspunkten und Herangehensweisen untersucht; sie sind sowohl für die frühe Neuzeit grundlegend wie für die Gegenwart perspektivenreich. Die 9. Tagung junger Cusanus-Forscher, für welche die Organisatoren die Schirmherrschaft übernommen haben, wird diesen Aspekten nachgehen (27.-31. Juli, mit Publikation).

Nikolaus von Kues: De Genesi. Zweisprachige, kommentierte Edition. Verantwortlich: Tilman Borsche und Harald Schwaetzer.

 

Forschungsschwerpunkt: Existenzphilosophie

Forschungsprojekt Heinrich Barths Augustinus-Rezeption: Tagung: Karl Jaspers, Hannah Arendt und Heinrich Barth zur Aktualität der Freiheitslehre Augustins. Die Tagung fand vom 01. – 03. November 2019 im Jaspers Haus in Oldenburg statt, in Kooperation mit der Universität Oldenburg, der Karl Jaspers-Gesellschaft und der Forschungsstelle Hannah Arendt-Zentrum. Die Tagung wird publiziert.

Neuauflage: In: Barth, Heinrich: Die Freiheit der Entscheidung im Denken Augustins. Neu hrsg. v. Johanna Hueck. Regensburg 2019

Workshop: Zum Bösen bei Hannah Arendt und Heinrich Barth. Der Workshop findet in Kooperation mit der Heinrich Barth Gesellschaft und dem Hannah Arendt-Zentrum vom 30.10 bis 1.11.2020 in Basel statt.

Editionsprojekt: Kierkegaard-Vorlesungen von Heinrich Barth (Ediert von Cornelia Müller, Johanna Hueck, Harald Schwaetzer)

Heinrich Barths Biographie. Forschungsprojekt von Paulus Schürmann.

Weitere Informationen

 

Forschungsschwerpunkt: Spätidealismus

Promotionsprojekt zu Immanuel Hermann Fichte von Crístian Hernández (Santiago de Chile / Hildesheim) am Philosophischen Seminar (Harald Schwaetzer, Wolfgang Schneider) Abschluss: Frühjahr 2020.

Tagung mit Publikation: Anthropologie im Spätidealismus. 25.-26. März 2020 in Santiago de Chile.

Forschungsstelle

An der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte ist eine besondere Forschungsstelle angesiedelt, die „Gemeinsame wissenschaftliche Einrichtung der Universitäten von Mainz, Oldenburg und Trier an der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte“.

Die gemeinsame Forschungsstelle gewährleistet den beteiligten Universitäten wie auch der Kueser Akademie ein flexibles Instrument der Kooperation sowie eine Grundlage zur Entwicklung gemeinsamer Forschungsvorhaben und Formate in der Lehre, die gemäß § 1 des Kooperationsvertrags für die beteiligten Universitäten, aber auch für andere Hochschulen als Leistungen anrechenbar sind.

Das Philosophische Seminar der Kueser Akademie kooperiert auf dieser Grundlage in Forschung und Lehre mit der Forschungsstelle, insbesondere mit der Universität Oldenburg. Verantwortlich für die Kooperation in Forschung und Lehre sind Prof. Dr. Johann Kreuzer für die „Gemeinsame wissenschaftliche Einrichtung“ und Prof. Dr. Harald Schwaetzer für das Philosophische Seminar der Kueser Akademie.

Internationales Klaus Reinhardt Institut

 Das Internationale Klaus Reinhardt Institut ist ein Zusammenschluss von Organisationen, Gesellschaften und Instituten, die sich mit Forschung zu Nikolaus von Kues beschäftigen. Die Cusanus-Gesellschaften von Nordamerika, Argentinien, Italien, Japan, den Niederlanden, Russland u.a. sind darin vertreten. Jede Organisation entsendet einen Vertreter in das “International Board of Cusanus Research”, welches die internationale Forschung koordiniert. Die “Kueser Akademie” verwaltet das “Klaus Reinhardt Institut”; ihr Mitglied im “International Board” ist Prof. Dr. Harald Schwaetzer.

Kooperationspartner

Prof. Dr. André Bleicher, Professor für Allg. Betriebswirtschaftslehre und strategisches Management und Rektor der Hochschule Biberach

Prof. Dr. Inigo Bocken, Direktor des Titus Brandsma Institut der Universität Nijmegen, Direktor des Cusanus Studien Zentrum der Universität Nijmegen

Prof. Dr. Gianluca Cuozzo,  Professor für Philosophie der Universität Turin, Präsident der italienischen Cusanus-Gesellschaft

Prof. Dr. Claudia D’Amico, Professorin für Philosophie der staatlichen Universität Buenos Aires, Direktorin des Circulo de Estudios Cusanos

Prof. Dr. Mechthild Dreyer, Professorin für Philosophie der Universität Mainz

Prof. Dr. Oleg Dushin, Professor für Philosophie der staatlichen Universität St. Petersburg, Vorsitzender der russischen Cusanus-Gesellschaft

Prof. Dr. Ivo De Gennaro, Professor für Philosophie der Freien Universität Bozen, Vizepräsident der Akademie deutsch-italienischer Studien in Meran

Prof. Dr. Lore Hühn, Professorin für Philosophie der Universität Freiburg, Koordinatorin der Research Area D und Vorstandsmitglied des Exzellenzclusters „Living, Adaptive and Energy-autonomous Materials Systems“

Prof. Dr. Il Kim, School of Architecture der Auburn University, Präsident der amerikanischen Cusanus-Gesellschaft

Prof. Dr. Johann Kreuzer, Professor für Geschichte der Philosophie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Direktor der Forschungsstelle Hannah Arendt-Zentrum sowie der Adorno-Forschungsstelle

Prof. Dr. Isabelle Mandrella, Professorin für Philosophie und philosophische Grundfragen der Theologie der LMU München

Prof. Dr. Hiroko Masumoto, Professorin für Germanistik und Vizepräsidentin der Universität Kobe, Japan

Prof. Dr. Armin Owzar, Professor für Neuere und Neueste Geschichte der Université Sorbonne Nouvelle,
Paris 3

Prof. Dr. Henrieke Stahl, Professorin für slavische Literaturwissenschaft der Universität Trier, Projektleiterin und Sprecherin der DFG-Kolleg-Forschungsgruppe (FOR 2603) „Lyrik in Transition“

Prof. Dr. Marie-Anne Vannier, Professorin für Theologie der Universität Lorraine (Metz), Direktorin der „Équipe de recherche sur les mystiques rhénans (ERMR)“

Prof. Dr. Markus Vinzent, Max Weber-Kolleg, Erfurt

Prof. Dr. Kazuhiko Yamaki, Professor emeritus für Philosophie der Waseda Universität (Tokyo), Professor für Philosophie an der Toho Gakuen School of Music (Tokyo)

Publikationsorgane

Reihen

Die Reihe „Texte und Studien zur europäischen Geistesgeschichte“ erscheint im  Aschendorff Verlag, Münster und wird herausgegeben von Inigo Bocken, Johann Kreuzer, Klaus Reinhardt (†) und Harald Schwaetzer. Eine Übersicht über die Bände im Aschendorff Verlag ist hier zu finden (Stand: März 2020). Link: https://www.kueser-akademie.de/publikationen/texte-und-studien-zur-europaeischen-geistesgeschichte/

Die Reihe „Philosophie interdisziplinär” erscheint im S. Roderer Verlag, Regensburg
und wird herausgegeben von Harald Schwaetzer und Henrieke Stahl. Eine Übersicht über die Bände im Roderer Verlag ist hier zu finden (Stand: März 2020). Link: https://www.kueser-akademie.de/publikationen/philosophie-interdisziplinaer/

Contraste. Studien zur japanisch-deutschen Kulturkomparatistik. Hrsg. von Teruaki Takahashi und Tilman Borsche. Link: https://www.fink.de/katalog/titel/978-3-7705-6090-5.html

Zeitschriften

Allgemeine Zeitschrift für Philosophie. Herausgegeben von Andreas Hetzel, Eva Schürmann und Harald Schwaetzer. Redaktion: Dr. Lydia Fechner. Link: https://www.frommann-holzboog.de/azp

Coincidentia. Zeitschrift für Europäische Geistesgeschichte. Hrsg. von Wolfgang Christian Schneider (Geschäftsführend), Inigo Bocken, Harald Schwaetzer, Henrieke Stahl und Martin Thomé. Redaktion: PD Dr. Kirstin Zeyer. Eine Übersicht über die Bände der Coincidentia ist hier zu finden (Stand: März 2020). Link: https://www.kueser-akademie.de/coincidentia/zeitschrift/

Internationale Zeitschrift für Kulturkomparatistik. Geschäftsführende Herausgeberin: Prof. Dr. Henrieke Stahl (Slavistik, Universität Trier); Mitherausgeber: J.-Prof. Dr. Franziska Bergmann, Prof. Dr. Andreas Regelsberger, Prof. Dr. Harald Schwaetzer und Prof. Dr. Christian Soffel. Link: https://izfk.uni-trier.de

Studies in Spirituality. Editorial Board: Titus Brandsma Institute Nijmegen (Netherlands), Dr. I.M.K. Bocken, Dr. M.A.B.M. De Kesel, Prof. Dr. C.J. Waaijman, Link: https://www.titusbrandsmainstituut.nl/eng/studies-in-spirituality/

Bulletin der Heinrich Barth-Gesellschaft. Herausgegeben für die Heinrich Barth-Gesellschaft an der Heinrich Barth-Forschungsstelle der Kueser Akdemie für Europäische Geistesgeschichte. Link: https://www.kueser-akademie.de/organisation/heinirch-barth-forschungsstelle/ Link: http://heinrich-barth.ch/gesellschaft.html