Das stattliche 19 Seiten umfassende Literaturverzeichnis offenbart die große Vielfalt an Themen, zu denen der im Buch gewürdigte Jubilar veröffentlicht hat. Wolfgang Christian Schneider ist nicht nur als Senior Professor an der Universität Hildesheim, sondern auch im Bereich Forschung am Philosophischen Seminar tätig. Das Spektrum seiner Themen reicht dabei von frühen Reflexionen über die (Heimat-)Stadt Stuttgart im Zweiten Weltkrieg, über Fragen des Hellenismus und des Mittelalters (in Kultur, Kunst, Recht u.a.), bis hin zum Denken der Philosophie, der Dichtung oder der Religion von der Antike über die Renaissance bis in die Gegenwart. Immer ist es dabei die konkrete geschichtliche Welt, mit ihren schier unendlichen Bezügen und Verweisen, in der die Themen spielen. Ihr gemeinsamer Ziel- und Ankerpunkt ist die Weisheit (sophia). Treffend heißt es im Klappentext:
Wolfgang Christian Schneiders Denken vollzieht sich in einem Umkreisen der Weisheit. Es lebt seinem Gegenstande nach aus der Vielfalt der Welten der Sophia: den geistigen Sphären, ihrem Irren zwischen Himmel und Erde, ihrem Tanzen in Kosmos und Welt, ihrem Widerscheinen in der Kunst, in den Farben, in den Symbolen und ihrem Verstehen in Schemata, Bildern, Begriffen, Zeichen. Es lebt seinem Vollzuge nach aus der Vielfalt der Wege, einerseits der Wege der Weisheit, andererseits der Wege des Menschen zur Weisheit.
Sophias Welten und Wege. Festschrift für Wolfgang Christian Schneider. Herausgegeben von Tilman Borsche, Adela Sabban, Harald Schwaetzer und Kirstin Zeyer. Münster 2026 (Aschendorff, Texte und Studien zur europäischen Geistesgeschichte, Reihe B, Bd. 28).

Die Vielfalt der Interessen und Perspektiven spiegelt sich in der Vielfalt der Beiträge des 483 Seiten umfassenden Bandes, der in verschiedene Sektionen eingeteilt ist und einige Beiträge von Mitgliedern des Philosophischen Seminars enthält. Nach dem ersten Teil zur Person, der u.a. eine Transkription eines Radiobeitrags sowie Beiträge von Mathias Wais, Armgard von Reden-Dohna und Richard G. Bregenzer enthält, beinhaltet der zweite Teil zu Philosophie und Wissenschaft Beiträge zur Antike (in Kurzform: Werner Greve zur politischen Klugheit des Cato Uticensis; Hermann-Josef Röllicke zur Gerechtigkeit; David Bartosch zu den Praxen des Wiedererinnerns; Claus-Artur Scheier zu Aristoteles: De anima III.4-7; Harald Schwaetzer zur Tetraktys). Der anschließende dritte Teil zur Neuzeit enthält zwei Beiträge zu Cusanus (Inigo Bocken über die Suche nach Gott; Tilman Borsche über die Weisheit des dialogischen Denkens), gefolgt von Johanna Huecks Überlegungen zur Weisheit bei Schelling sowie Johann Kreuzers Ausführungen zu Hölderlins Sophokles-Deutung und Fabian Warislohners Erkundungen zur Alterität von Philosophie und Weisheit. Der abschließende vierte Teil versammelt Beiträge zu Kunst und Kultur (Jürgen von Gerlach zu Justinian I. bzw. zur Herrscherdarstellung im Münzwesen; Gianluca Cuozzo zur Raumzeit des Porträts; Elena Filippi zu Pieter Bruegels ‚Ikarussturz‘; Claus-Peter Clostermeyer zum ‚Mythos Knigge‘ und Kirstin Zeyer zu Abel J. Herzbergs Novelle ‚Drei rote Rosen‘). Abgerundet wird das Buch durch einen ausführlichen farbigen Bildteil (S. 467-483). Viele der Beiträge waren 2024 vorab bei einem Fest-Symposium an der Kueser Akademie für europäische Geistesgeschichte mit dem Jubilar diskutiert worden.