„Transzendenz und Existenz“ ist auch in diesem Semester das Motto für die Lehrveranstaltungen des Philosophischen Seminars. Es ist zugleich der Titel, unter dem das Philosophische Seminar der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte und das Institut für Philosophie der Universität Oldenburg, eingeschlossen das Hannah Arendt-Zentrum, gemeinsam mit weiteren Forschungspartnern die Existenzphilosophie im 20. Jahrhundert in Deutschland in den Blick nehmen.

Aus dem Editionsworkshop im letzten Semester hat sich inzwischen eine feste Gruppe gebildet, welche die Augustinus-Vorlesung Heinrich Barths, die Gegenstand des Seminars war, in diesem Jahr publizieren wird – eine erfreuliche Weiterentwicklung eines solchen Workshops. Die mit ihm verbundene Tagung zum Bösen bei Arendt und Barth wird in diesem Semester coronabedingt nachgeholt.

Das vierte Jahrhundert ist für die Frage nach Transzendenz und Existenz eine besonders einschlägige Zeit. Im Seminar zu KAISER JULIANS Rede „König Sonne“ wird der Umbruch zwischen neuplatonischer Philosophie und Mysterienkult einerseits und an die Staatsgewalt sich bindendes Christentum andererseits als Hintergrund sichtbar – bei dem letzten nicht-christlichen Kaiser der Spätantike, zugleich ein herausragender Philosoph seiner Zeit. Julians Rede führt aber gleich im Anfang Aristoteles an: „Der Mensch zeugt einen Menschen, und die Sonne“. Das Seminar zu ARISTOTELES’„De anima“ befragt diesen klassischen Text auf das Wesen von Mensch und Seele hin, gerade auch in seiner exemplarischen Fremdheit für unsere Zeit; ausgerichtet an unserem Profil wollen wir dabei auch wieder konkrete Wahrnehmungsübungen, in diesem Falle zur seelischen Selbstbeobachtung, einbeziehen.

Die Lectio Cusana nimmt im Anschluss an „Idiota de sapientia“ (coronabedingt findet das Seminar nun auch in diesem Semester statt) die Schrift über den Gottesbegriff „Nichts anderes“ in den Blick; sie zählt fraglos zu den spekulativsten Schriften des Denkers von der Mosel. „Der Himmel ist nichts anderes als der Himmel“ – in dieser Aussage garantiert „nichts anderes“ die Identität des Himmels mit sich selbst und „nichts anderes“ ist selbst nichts anderes als der Himmel – offenkundig ein subtiles Zusammenspiel von „Transzendenz und Existenz“.

Die Fragestellung von „Transzendenz und Existenz“ wird auch in diesem Semester mit einem speziellen Seminar, welches Kunst und Phänomenologie verbindet, angegangen. ERTÖNEN UND STILLE – Erkundungen über das Wesen des Musikalischen mit Günther Anders setzt das Seminar des letzten Semesters auf Wunsch der TeilnehmerInnen fort, ist aber auch für neue TeilnehmerInnen offen. Die philosophisch-künstlerische Übung der Fähigkeit des Wahrnehmens als grundlegende Aufgabe der Gegenwart wird anhand von Günther Anders praktisch wie theoretisch in den Blick genommen.

Der Mensch und seine zu erringenden Wege zum Göttlichen, zur Welt und zu sich selbst – vor diesen Horizont stellen sich die Seminare des Sommersemesters 2021.

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