„Ein Werdender wird immer dankbar sein“, lässt Goethe eine seiner Figuren im „Faust I“ sagen. Die Frage nach dem Werden des Menschen und der Welt steht im Mittelpunkt des diesjährigen Master-Programms des Philosophischen Seminars der Kueser Akademie.

In der „Lectio Cusana III“ wird der cusanische Dialog „De genesi“ zum Ausgangspunkt für diese Frage, geht es doch weniger um eine Auslegung der Genesis als vielmehr um die Frage, wie überhaupt etwas wird – sei es der Kosmos oder der Mensch.

Schellings „Weltalter“, die in der frühen Fassung von 1811 gelesen werden, stellen sich in einen ähnlichen Horizont, betonen aber noch stärker als der Renaissancephilosoph die geschichtliche Dimension sich entwickelnder Existenz. Schelling bedenkt dabei unterschiedliche Bewusstseinsformen und das Werden des Menschen auf sie hin. Nur so lässt sich Geschichte für ihn verstehen.

Wie sich ein Ewiges in der Zeit entwickelt, fragt das Seminar „Menschen-Bilder – Phänomenologie des Subjekts der Neuzeit in Kunst- und Kulturentwicklung“. Dabei sucht ein fragender Blick auf die Gegenwart nach dem Einzelnen und seiner ganz individuellen, konkreten Erscheinung in seiner jeweiligen Zeit.

Damit steht in einem systematischen Zusammenhange – nämlich demjenigen der Bildfähigkeit des Menschen – das Seminar zu Synesios’ Traumbuch: „Über die geistige und prophetische Kraft der Träume – Neuplatonische Erkenntnislehre und Metaphysik bei Synesios von Kyrene“.

In der Zeit des Neuplatonismus verbleibend, konzentriert sich „Frei von sich und von Anderem – Auf der Suche nach dem wahren Selbst durch Plotins Philosophie“ auf die philosophische Anthropologie eines Werdens vor dem Hintergrunde des spätantiken Geistgebäudes.

Historisch erkunden die Seminare damit Epochen, die für die Arbeit des Philosophischen Seminars zentral sind: Spätantike, Renaissance und Deutscher Idealismus – immer mit Blick auf deren Bedeutung für unsere Zeit. Systematisch ruht die Aufmerksamkeit auf dem Verhältnis von Transzendenz und Existenz, dieses Mal mit einem Schwerpunkt auf der Frage von Entwicklungs-formen. Methodisch folgen die Seminare wieder auf der einen Seite der Idee einer genauen Lektüre der Originaltexte und deren Einbettung in die Geschichte sowie auf der anderen Seite dem Ansatz eines übenden und experimentellen Umgangs mit Phänomenen und Fragestellungen.

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