Publikation: „Ich bin ein Hase“: Monographie zu Joseph Beuys von Stephan Stockmar

von | 30. März 2025 | Publikationen

Stephan Stockmar: „Ich bin ein Hase“: Die Polarität Männlich-Weiblich als „Generator“ im ‚Lebenslauf/Werklauf‘ von Joseph Beuys

Die Polarität Männlich-Weiblich durchzieht das ganze Leben und Werk von Joseph Beuys – von einem frühen Gedicht, in dem ein Jüngling und eine Jungfrau miteinander sprechen, über Zeichnungen, auf denen er die Geschlechter auf polare Weise charakterisiert, bis hin zu Skulpturen wie ‚Jungfrau‘ und ‚Bergkönig‘ und manchen weiteren Arrangements. Doch nicht nur in diesen Werken zeigt sich seine Beschäftigung mit der Grundpolarität des Menschsein seit dem biblischen Sündenfall, die in mancher Hinsicht an Jakob Böhmes „männliche Jungfrau“ erinnert. Beuys geht noch weitere Schritte in eine existenzielle Auseinandersetzung: Im Rahmen von Aktionen, die bei ihm nie nur Rollenspiele sind, nimmt er als Mann auch Stellungen ein, wie sie für die gebärende Frau charakte­ristisch sind. Und er identifiziert sich im ernsten Spiel nicht nur mit mit einer weiblichen (Iphigenie) und einer männlichen (Anacharsis Cloots) Figur aus der Mythologie und Geschichte, sondern auch mit einem Tier, dem Hasen, der für ihn Wesensmerkmale beider Pole zeigt: „Also bin ich ein Hase. Ganz einfach. Ich bin gar kein Mensch.“ Dabei sucht Beuys in den Polen immer auch das jeweils entgegengesetzte Element, so ein bewegtes Mittleren ausbildend: Der Künstler als Kunstwerk inmitten seines Kunstwerks.

Der Kulturwissenschaftlers Stephan Stockmar untersucht verschiedene Werkgruppen und Aktionen von Joseph Beuys im Kontext von dessen Leben und Selbstzeugnissen, wobei der sogenannte „Block Beuys“ im Hessischen Landesmuseum Darmstadt eine zentrale Rolle spielt.

Hier kann man das Buch erwerben: Reihe Philosophie interdisziplinär Band 56, Roderer Verlag Regensburg, 310 Seiten, 34,80 EUR.